Künstliche Intelligenz ist bei immer mehr Targets zum Wertkern geworden – und zugleich zu einem blinden Fleck der klassischen Due Diligence. Der BMA-Arbeitskreis Digitalisierung stellt dazu jetzt einen strukturierten Fragenkatalog bereit und teilt ihn offen mit der Community.
Wenn heute ein Unternehmen geprüft wird, dessen Produkt oder Prozesse auf KI beruhen, reicht der gewohnte Tech-DD-Katalog nicht mehr aus. Es geht längst nicht nur um Softwarearchitektur und Lizenzen, sondern um Trainingsdaten und ihre Herkunft, um die Rechte an Modellen, um die Autonomie KI-gestützter Agenten und um regulatorische Anforderungen, die sich mit dem EU AI Act gerade erst konkretisieren. Diese Fragen entscheiden zunehmend über Wert, Risiko und Integrationsfähigkeit einer Transaktion – und sie werden bislang in vielen Prüfprozessen nur unsystematisch gestellt.
Der Arbeitskreis Digitalisierung des Bundesverbands Mergers & Acquisitions (BMA) hat genau hier angesetzt. Im Anschluss an die BMA-Insights-Session vom 15. Juni 2026 zum Thema „Due Diligence von KI-Lösungen“ ist ein praxisnaher Fragenkatalog entstanden: das „Due Diligence Questionnaire – AI/ML Capabilities“ (Stand Juni 2026). Er gibt Käufern, Beratern und Verkäufern eine gemeinsame Struktur an die Hand, um die KI-Fähigkeiten eines Zielunternehmens systematisch und vergleichbar zu erfassen.
Der eigentliche Wert liegt nicht in der Länge des Katalogs, sondern im gemeinsamen Maßstab: Über KI-Fähigkeiten wird endlich entlang derselben Fragen gesprochen.
Was der Fragenkatalog abdeckt
Der Katalog folgt dem gesamten Lebenszyklus einer KI-Lösung – von den Daten über Modelle und Betrieb bis zu Governance und Regulierung. Er ist bewusst als Frage-Antwort-Raster aufgebaut, das sich unmittelbar in einen DD-Prozess übernehmen lässt. Die wichtigsten Themenfelder im Überblick:
| Themenfeld | Worum es geht |
| AI/ML-Strategie & -Komponenten | Welche KI-Aufgaben gelöst werden, wo im Portfolio KI wirkt, welche Frameworks und Cloud-Dienste zum Einsatz kommen. |
| Legal & Data Handling | Datenherkunft und Data Lineage, Speicherung und Datenresidenz, Verschlüsselung, Zugriffskontrolle, DPA/BAA, Nutzung von Kundendaten. |
| Model Development & Execution | Foundation Models, Fine-Tuning, Retraining, Monitoring von Model Drift, MLOps-Pipelines, Test- und Sicherheitsprozesse, IP an Modellen und Code. |
| Lifecycle & Performance | Preislogik, Skalierbarkeit, Versionierung, Benchmarks, Sprach- und Domänenabdeckung, Hardware-Anforderungen. |
| Agentic AI & autonome Systeme | Autonomiestufen und Grenzen, Multi-Agenten-Orchestrierung, Planung und Tool-Nutzung, Memory, Oversight, Safety & Governance. |
| Retrieval-Augmented Generation (RAG) | Architektur, Wissensquellen, Vektordatenbanken, Maßnahmen gegen Halluzination, Nachvollziehbarkeit bis zur Quelle. |
| KI-orchestrierte Workflows | Automatisierung komplexer Abläufe, dynamische Orchestrierung, Integration in bestehende Unternehmenssysteme. |
| Ethik, Regulierung & Vendor-Management | Verantwortungsvolle KI, EU AI Act, DSGVO, ISO/IEC- und NIST-Standards, Risikoklassifizierung, Abhängigkeit von Dritt-Anbietern. |
Bemerkenswert ist die Aktualität: Der Katalog bleibt nicht bei klassischem Machine Learning stehen, sondern adressiert ausdrücklich die Themen, die die Praxis gerade erst erreichen – agentische Systeme, Multi-Agenten-Architekturen, RAG und die Governance-Anforderungen des EU AI Act. Damit wird prüfbar, was in vielen Datenräumen bisher nur als Schlagwort auftaucht.
Warum der BMA das teilt
Der BMA ist ein gemeinnütziger Verband mit über 400 Mitgliedern, dessen Auftrag Netzwerk, Wissensaustausch und die Weiterentwicklung von Marktstandards ist. Ein Fragenkatalog zur KI-Due-Diligence ist genau ein solcher Marktstandard-Beitrag: Er entfaltet seinen Nutzen erst, wenn ihn viele nutzen. Deshalb stellt der Arbeitskreis das Ergebnis offen zur Verfügung – für Mitglieder ebenso wie als Impuls für den breiteren M&A-Markt.
Der Katalog versteht sich nicht als abgeschlossenes Regelwerk, sondern als lebendes Dokument. KI-Fähigkeiten und ihre Regulierung entwickeln sich schnell; entsprechend lebt der Katalog von Rückmeldungen aus der Praxis. Wer ihn in konkreten Transaktionen einsetzt, Lücken erkennt oder ergänzende Fragen beisteuert, ist ausdrücklich eingeladen, sich einzubringen.
| Fragenkatalog herunterladen & mitwirken
Das „Due Diligence Questionnaire – AI/ML Capabilities“ steht zum Download bereit: Vorlagen und Musterverträge des BMA Feedback, Praxiserfahrungen und Ergänzungsvorschläge nimmt der Arbeitskreis Digitalisierung gern über die BMA-Geschäftsstelle entgegen. Email an verwaltung@bm-a.de. |

